Glückssteine im Frankenwald
Um die „Glücksstaala“ wie wir sie im Frankenwald nennen zu finden, ist Ausdauer und das Wissen um die Fundorte Voraussetzung zum Erfolg. Dabei rückt in den Überlegungen, wo denn so ein Fundort sein könnte, die Standortfrage ehemaliger Bergbaugruben , Rennofen und Hochofen oder Schmelzen in den Vordergrund, wo im 14. bis 19. Jahrhundert gefördertes Braun- oder Roteisenerz gefunden und geschmolzen wurde. Erzgruben wie auch Hochofen waren im Tal der Wilden Rodach, im Thiemitztal und im Rodachtal und Ölsnitztal vorhanden, deswegen wissen nur Eingeweihte, wo sich die Suche wahrscheinlich auch lohnt.
Finder vergleichen die Farbe der Meere mit dem Stein im Wasser der genannten Bäche gefunden, dort zur vollen Entfaltung kommend. Ein großes Glücksgefühl durchströmt den Finder dieses mehr hellblau oder hellgrün-bläulich schimmernden Schmuckstückes. Seine Größe wird durch das Flussgerölle bestimmt, welches dem Stein den sogenannten letzten Schliff gibt.
Um das Eisenerz aus dem gebrochenen Gestein zu lösen, bedurfte es einem Schmelzvorgang im Rennofen oder Hochofen. So wurden beide Ofen von unten her schichtförmig erst mit Holzkohle, dann mit einer Schicht erzhaltigem Gestein, dann wieder eine Holzkohlenschicht usw. befüllt bis zum oberen Ofenrand und dann die unterste Lage der Holzkohle angezündet. Den Schmelzvorgang so zu steuern, das Temperaturen um 1100 bis 1200 Grad C entstanden damit das Erz verflüssigt wurde, bedurfte großer fachlicher Kenntnis und war nur unter Zuhilfenahme von Blasebälgen möglich. Doch im Ofen war trotz Luftzuführung die Temperatur nicht überall gleich und so entstanden bei etwa 1100 Grad C die farbigen glasartig anzusehenden Steinchen unterschiedlichster Größe, die mit der Restschlacke nach dem Brennvorgang aus dem Ofen geräumt und nahe des Ofens meist in den Talgründen aufgeschüttet wurde. Bei äußerst starken Regenfällen oder im Frühjahr bei der Schneeschmelze wurden die Talauen regelmäßig überschwemmt und die reisenden Ströme nahmen Geröll und auch Schlacke mit anhaftenden farbigem Gestein mit und im Geschiebe der Bäche wurde die Schlacke abgeschliffen und so entstanden die Glückssteine.
Über die Magie der Glückssteine als heilende, astrologische, individuelle Glücksbringer, wurde schon viel geschrieben. Es ist nur eine Art des Aberglaubens, der aber teilweise heute noch betrieben wird. Die Hasenpfote in der Hosentasche oder die gefundenen bunten Steinchen, das Amulett am Hals oder das Silberkettchen am Fußgelenk bringen Glück, so wird jedenfalls argumentiert.
Man kann es tatsächlich als Glück bezeichnen, ein solches „Glücksstaala“ überhaupt zu finden. Es ist um den Döbraberg etwas einzigartiges und gehört zur Heimat und deren Geschichte.
dipf

