Der Hämann

In der Sagenwelt vom Frankenwald bis ins Fichtelgebirge gibt es viele Gestalten, die als Gespenster, Zwerge, Schräzelein, Wilder Jäger, Bärmoudä, Feilenhauer, Bilmesschnitter immer wieder genannt werden. Um den Döbraberg wird in mehreren Sagen vom „Hämann“ berichtet. Es handelt sich um  einen wilden, langen, dürren Mann in grünen Kleidern und einem breitrandigen schwarzen Hut, der sich bei manchen Leuten aufhuckelt und von denen bis zum eigenen Haus getragen werden muss. Dort springt er dann vom Rücken des Gepeinigten und entfernt sich unter lautem rufen „hä-hä-hä“. Er galt auch wie eine Vorsehung, schöpfte er Wasser, brach bald ein Brand aus, drehte er im Rathaus einen Stuhl um, so starb kurz danach der später auf dem Stuhl sitzende. In den Braunächten versuchte er die Wirz (Sud) in den Brauereien. Wurde ihm das verwehrt, verdarb er das Bier. Es wird auch von einem Schuster berichtet, der ihn als Tod verkleidet, an seinem Hause angelehnt sah. Kurze Zeit später starb der Schuster. Es kommt auch vor, dass er Wanderer fragt: „Soll ich aufhuckeln?“. Bekommt er eine Zustimmung, wird der Tragende krank und stirbt. Nur dem Feilenhauer ist es möglich, den Betroffenen zu helfen und den Hähmann mit dem Drudeneisen abzustreifen oder mit einem besonderen Hexendraht zu fesseln. Wo kommt er eigentlich her? Ist er ein Dämon aus der keltischen Götterwelt? Sollten Sie ihn treffen, hören sie ihm einfach zu und wiedersprechen sie nicht, dann wird er Sie in Ruhe ihren Weg gehen lassen.

Die Kapellengruft bei Räumlas

Um den Döbraberg herum befinden sich wenig Kapellen. Sie sind mehr Glaubensausdruck  der Dankbarkeit in gut situierten kath. Gegenden. Bei uns erinnert nur noch die Waldabteilung „Holzspitze“ an eine Kapelle, welche aber im Laufe der Jahrhunderte verfiel, weil in den Orten Kirchen entstanden. Was hat es also mit diesem Gebäude in Räumlas auf sich?

Johann Will, ein äußerst erfolgreicher Geschäftsmann erwarb sich als Holzhändler, als Mühlenbesitzer und Inhaber von einem modernen Hochofen samt Hammerwerk  in der Thiemitz ein  großes Vermögen. Er baute sich in Räumlas einen für diese Zeit feudalen Wohnsitz, knüpfte beste Verbindungen zum Bezirksamtmann und feierte Feste mit Freunden und Bekannten drei Tage lang. Doch leider blieb seine Ehe kinderlos. So wurde ihm bewußt, dass er etwas schaffen musste, was seinen Namen unvergessen machte.

Er baute sich im Jahre 1885 eine Kapellengruft. Seine Frau und auch er wurde dort bestattet. Beide sind in Zinnsärgen aufgebahrt. Erst in jüngster Zeit wurde über den Särgen eine Betonplatte errichtet. Die Kapellengruft ist schmucklos und sehr einfach ausgestattet.

Er war während seiner Lebzeiten sehr großzügig und spendete für Kirche und Gemeinde viel Geld. Doch mit dem Bau dieser kleinen Kapelle bleibt sein Name in  Erinnerung.

Meuchelmord

Der Knall eines Gewehrschusses zerreißt die Stille des Vormittags im Thiemitztal. Nein, besonders beunruhigend oder gar gefährlich für die wenigen Bewohner des Tales war es nicht. Sie hörten fast täglich Schüsse aus Pistolen, Gewehren, ja manchmal sogar aus einer Kanone, denn unweit ihrer Behausung im Tal, so etwa eine Stunde Fußmarsch entfernt ist einer der großen Heereslagerplätze, wo um 1634 auch Söldnerheere von König Gustav Adolf oder Johann Tilly und andere Heerführer mit teilweise zehntausenden von Kriegsleuten und deren Angehörige lagern.

Seit 16 Jahren tobt nun schon der Glaubenskrieg. Galt der Schuss vielleicht einem Rothirsch, Wildschwein oder Reh zur Aufbesserung der Selbstversorgung? Es war so wie es war! Dem Lorchenmüller hatten marodierende Söldner vor einer Woche sein Anwesen geplündert und die Scheune abgefackelt. Retten konnte er nur den Heuwagen und einige Geräte. Doch nun, acht Tage später. Durch das Fenster traf die Kugel  Müllermeister Jakob, zerfetzte seinen Leib, trat im Rücken aus dem Körper aus, durchschlug auch noch die Kammertür.

Herzzerreisend der Aufschrei seiner Frau Anna, die mit ihm in der Kammer war. Ihr Mann presste beide Hände an den Bauch, drehte sich, die Beine sackten durch und er stürzte zu Boden. Verbluten dauerte nur kurze Zeit, dann konnte seine Seele durch das zerschossene Fenster entweichen. Bei dem Überfall vor einer Woche war ihr im letzten Moment die Flucht in den Wald gelungen, wo sie sich mit den Kindern versteckte. Entfernt musste sie das erbärmliche Schreien ihrer Magd verursacht durch die Gräueltaten an ihr anhören. Auf das vereinbarte Sägegekreische kam sie mit den Kindern zurück.

Einen dieser Übeltäter hatte ihr furchtloser Mann bewusstlos geschlagen und versteckt. Er fesselte ihn und als dieser dann aufwachte, band er ihn liegend auf einen Baumstamm. Er öffnete den Wasserzufluss zum Mühlrad und die Mechanik der Säge zog den Stamm mitsamt dem gefangenem Söldner durch das laufende Sägegatter. Auch dessen Schreie hatte sie gehört. Den zersägten Körper warf man den Schweinen vor, den Rest aus Knochen vergrub man sehr tief im Boden wegen der Füchse und der Hunde. War also der tödliche Schuss eine Vergeltungsmaßnahme eines Söldners? Möglich, ja möglich war das schon. Oder verbarg sich hinter dem Mord eine andere Person? Erwischt und verurteilt wurde niemand. Ein Meuchelmord in Kriegszeiten war nichts Besonderes. Nur der Sterbeeintrag im Kirchenbuch gibt Zeugnis der Tat.

Anna, die Frau des Getöteten hatte drei Kinder. Allein konnte sie die Mühle mit dem Sägegatter nicht führen. Sie brauchte einen Mann, vielleicht Hans, den Bruder von Jakob. Sie fanden Gefallen aneinander und zweckdienlich wäre es auch. Nach kurzer Zeit heiratete sie den ledigen Bruder ihres Mannes. Acht Kinder gebar sie ihrem neuen Mann. Ein glückliches Ende? Hatte der 30-jährige Krieg ein klein wenig Schicksal gespielt?Jedenfalls wurde der vermisste Söldner nie mehr gefunden. Das mit der Säge und den Schweinen und noch viel grausamere Vorgänge erzählte man sich noch lange, ob es sich so auch ereignet hat, niemand konnte es bestätigen. Ja vielleicht war es so tragisch. Was ist an zwei Toten beachtenswert, wenn der Krieg mehr als 20 Millionen Opfer kostet. In diesem Fall Auge um Auge, Zahn um Zahn, Gerechtigkeit? Wer halt die Toten spielen muss!       dipf

Hohentanne-Bauernhof

An der Nordwestseite des Döbraberges stand früher ein großer Bauernhof mit der Bezeichnung des Weilers Hohentanne. Im Bamberger Privilegienbuch wird unter dem Jahr 1348 erstmals zum Amt Rodeck gehörend dieses Bauernzeug erwähnt, von dem heute nur noch Restschutthalden und Fundamentsteinwälle zu sehen sind. Sagen und Geschichten ranken sich um den Bauernhof, unerklärbare Ereignisse veranlassen zu der Aussage, dass es dort nicht richtig sei. Im Jahre 1438 wird in einer Lehensurkunde Hans und Conrad von Radeck als Lehensherrn beschrieben. Hans Kirchner wird 1558 als Einwohner genannt, welcher einen ansehnlichen Besitz bewirtschaftet. Im 17. Jahrhundert ist Hanns Vogler Besitzer, welcher aus finanziellen Gründen 1693 seine Frau und die Kinder verlässt und in der Fremde verschollen ist. Seine Frau verkauft den stark verschuldeten Hof an Hannß Hager. Nach dessen Tod heiratet die Witwe 1734 Johann Herpich, die Ehe zerbricht und seine Frau bewirtschaftet den Hof bis 1758. Nun häufen sich die Besitzverhältnisse, es folgt die Familie Hager, dann die Familie Täuber und anschließend die Familie „von Reiche“, welche durch Waldzukauf den Besitz wesentlich vergrößert. 1824 wird der Bäckermeister Johann Adam Hofmann mit seinem Bruder Adam Eigentümer, welche den Hof nicht selbst bewirtschaften, sondern verpachten. 1830 wird Konrad Feulner, 1832 Johann Müller Eigentümer. Mit der Gemeinde Döbra entwickelt sich ein Rechtsstreit, den Johann Müller gewinnt. 1833 brennt der gesamte Bauernhof ab. Er wird wieder aufgebaut, doch die Schulden wuchsen Johann Müller über den Kopf. Der Hof wurde zur Versteigerung freigegeben, doch niemand wollte ihn haben. Dem Forst Rodeck bot er seinen Wald und einige Grundstücke, so um die 55 – 60 Tagwerk zum Kauf an, mit Erfolg. Trotzdem ihm noch 22 5/8 Tagwerk verblieben, konnte er seinen Hof nicht halten und verschuldete immer mehr. Plötzlich verschwand er durch die Flucht nach Amerika, er ließ Frau und Kinder im Elend zurück. 1848 erwarb Revierförster Ferdinand Moser den Besitz, ließ die Gebäude abbrechen und verkaufte das Restgut an den Staat, welcher die Grundstücke aufforstete. Heute erinnert nur der Name Hohentanne noch an den abgegangenen Hof, dessen Eigentümer das Glück versagt blieb. Heimatliche Sagen um diesen Schicksalshof halten die Erinnerung hoch.                                         dipf

Schlossberg Schwarzenstein

Mittelpunkt des idyllisch am Hang gelegenen Schwarzenstein ist eine steil aus dem Tal der Wilden Rodach aufragende Felskuppe, der 602 m hohe Schlossberg, dessen Spitze ziert seit Beginn des 20.Jahrhunderts der „Schwamma“, ein etwa 4 m hoher hölzerner Pilz mit umlaufender Ruhebank. Von dort hat man eine wunderbare Sicht auf die Wälder entlang der Wilden Rodach bis hinauf zum früheren Standort der ehemaligen Veste Rodeck. Im Jahre 1903 hat der Verschönerungsverein Schwarzenbach a.Wald den ersten Schwamma dort errichtet, der in den vergangenen Jahrzehnten durch die Gemeinden Schwarzenstein und Schwarzenbach a.Wald etwa alle 20 Jahre immer wieder erneuert werden musste. Die Chronisten gehen nach dem Studium entsprechender Urkunden davon aus, das auf dem kleinen Plateau bereits im Hochmittelalter ein mit Palisaden gesicherter Turm stand, einerseits als Grenzsicherung, vor allem aber für den Schutz der ansässigen Bauern bei Kriegsgefahr oder plündernden Horden diente. In den Aufzeichnungen wird berichtet, dass von dieser befestigten Anlage ein Fluchtstollen bis in das Rauschengründlein führte, der im oberen Teil während des 2. Weltkrieges auch als Luftschutzkeller genutzt wurde.

Im Jahre 1479 erbaute Hanns von Reitzenstein auf dem nördlich des Schwamma angrenzenden Gelände ein befestigtes neues Schloss mit entsprechendem Wirtschaftshof und alles umrundende  hohe Schutzmauer. Eine detaillierte Aufzeichnung über den Umfang der Anlage beschreibt im Jahre 1736 das Schloss  Schwarzenstein als von unten her gemauert bis zum Dach, welches mit Schiefer gedeckt ist. Drinnen mit Stüben, Kammern, Gewölben, Hofreite, Viehhaus, Stallung, Backhaus, Keller, Küche, Hauskeller, Felsenkeller und Turmgefängnis. Auf einer Landkarte aus dem Jahre 1752 ist der Schlossturm mit Nebengebäuden wie auch die Schlossmauer eingezeichnet. Zwei Fluchtwege soll es aus dieser befestigten Anlage gegeben haben, einer hinunter zum Rosenbach bis zum Hause der Familie Stöcker, wo er in den 1960er Jahren geöffnet und begehbar war, der andere nach Schönbrunn wo vermutet wird, dass er nicht als Fluchtstollen diente, sondern das es ein Bergwerksstollen war. Im Jahre 1880 brannte das Schloss ab und wurde nicht mehr aufgebaut. Sechs  Sagen berichten vom Schlossberg, dem Kindesraub, der Wunderblume, der Krähe und dem Mädchen, dem Pferdesprung und dem tödlichem Pfeil und halten damit die Erinnerung an die ehemalige Schlossanlage aufrecht.                                                   dipf

Alte Kirche

Kommend von Straßdorf kurz hinter Straßhaus ist auf der linken Seite ein großes zusammenhängendes Waldgebiet, welches bis hinunter zur Wilden Rodach reicht. Im oberen Teil direkt an der Kreisstraße führt die Waldabteilung offiziell den Namen „Holzspitze“. Größtenteils im Staatsbesitz stand im 18. und 19. Jahrhundert die Naturverjüngung in der Fortführung der Walderneuerung als das erklärte Ziel der zuständigen Forstbehörden. Das führte dazu, dass zu Studienzwecken aus Süd- und Norddeutschland Mitglieder der Forstakademien und Waldbauschulen häufig anwesend und teilweise kurzfristig tätig waren. Im nordöstlichen Bereich der Waldabteilung gibt es den Waldflurnamen „Alte Kirche“. Ein Gotteshaus mitten im Wald? Nur Einheimische und Fachleute wissen den Standort, wo heute außer Steinfundamenten kaum noch etwas mehr zu erkennen ist. Geschichten und Sagen befassen sich seit Jahrhunderten mit diesem Bauwerk, eine kleine goldene Christusfigur, ein Grabkreuz, ein Glockenschwengel wurden gefunden und bei Nachsuchungen vor mehr als 20 Jahren ein großer Holzbohrer, handgeschmiedete Nägel und andere Kleineisenteile. Warum aber ausgerechnet hier in dieser Waldeinsamkeit einmal eine Kirche stand bleibt rätselhaft. Doch sie wird als erste Kirche genannt und dem Missionswerk irischer Missionare zugerechnet, die im 7. Jahrhundert Nordhalben missionierten, wo auch auf das Kirchlein bei Bernstein hingewiesen wurde. Stand diese „Alte Kirche“ auf einer alten Kultstätte? Möglich wäre es. Der fränkischen Urahnen Aussagen folgend haben dieses Bergbaugebiet slawische Volksstämme bewirtschaftet, gerodet, Äcker angelegt und Siedlungen errichtet. Die Bachnamen Thiemitz oder Zegitz (heute Zegast) oder Culmitz deuten auf diese Besiedlung hin. Diesen Volksstämmen war der Wald heilig, hier war der richtige Platz ihren Göttern Opfer zu bringen in absoluter Einsamkeit und ihrem Heidenglauben zu Wodan göttliche Ehren zu erweisen. So ein den heidnischen Göttern geweihter Platz diente oft als Standort einer Kirche und den frommen Männern im Christenglauben zu leben und zu missionieren.  Und das in stürmischen Nächten ein kopfloser Schimmel mit Wodan im Sattel noch heute diesen geheiligten Opferplatz aufsucht, das zu nächtlicher Zeit das „Graue Männchen“ unterwegs ist und den Spätheimkehrer in die Irre leitet, das aus dem Eisenkreuz für die Gemeinde Räumlas vor langer Zeit ein Nachtwächterspieß gefertigt und auch genutzt wurde wie auch die von einem armen Buben aus Göhren gefundene goldene Christusfigur dessen Familie einen kleinen Reichtum bescherte, alles in Sagen und Geschichten niedergeschrieben und manches auch heute noch zu erleben.  Ludwig Uhland reimte es so: „Man hört im fernen Wald von oben her ein dumpfes Läuten, doch niemand weiß, von wann es hallt und kaum die Sage kann es deuten“.      dipf

Wer wird mein Mann?

Für unsere Vorfahren waren die Rauhnächte, auch Losnächte genannt von besonderer Bedeutung. In dieser Zeit stand nach überliefertem Volksglauben das Geisterreich offen. Orakel hatten eine besondere Wirkung wie auch die Geisterstunde, der Ort der Erkenntnis, ein Kreuzweg, ein Raum und vor allem ein magisches Verhalten mit bestimmten überlieferten Ritualen. So bot eine dieser Nächte unverheirateten Frauen oder Mädchen die einmalige Gelegenheit, um Mitternacht ihren künftigen Bräutigam als Spiegelbild zu sehen. Die 17-jährige Sofie hatte neugierig der Erzählung ihrer älteren Schwester gelauscht, nun war es soweit, sie wollte ihren künftigen Bräutigam sehen. Freilich hatte sie schon heimlich  sich einen Burschen ausgesucht, doch Neugierde und auch ein bisschen Eifersucht trieben sie an, sie wollte es nun wissen, ist er`s oder?

Mit ihrer jüngeren Schwester schlief sie in einem Raum im Spitzboden des alten Bauernhauses. Ihre Schwester musste schwören, ganz leise zu sein und, mag kommen was will nicht zu reden geschweige jemanden etwas zu erzählen, dann erklärte sie ihr den Ablauf.

Sie kuschelten sich im gemeinsamen Bett, der schon eingetretene Winter hatte viel Schnee und große Kälte gebracht und seit Tagen pfiff der Ostwind ums Haus.

Kurz vor Mitternacht stieg Sofie aus dem warmen  Bett und zog sich splitternackt aus. Nur das zuckende Licht einer Kerze erhellte etwas den Raum. Heimlich hatte sie einen Spiegel in das Zimmer gebracht, vor dem sie sich hinstellte. Sie fror erbärmlich. Dann griff sie zum Salzhering, der entgrätet in einer kleinen Schüssel auf dem Stuhl stand. Aus der mitgehörten Erzählung ihrer Schwester wusste sie, dass der gesalzene Hering roh gegessen werden musste, bevor die Uhr Mitternacht schlug. Sie nahm den Salzhering, bis ein Stück herunter und würgte es biss für bis hinunter, Tränen stiegen ihr in die Augen und der Durst war schon fast schmerzhaft, doch getrunken werden durfte nichts. Dann hörte sie den Regulator zwölf Uhr schlagen. Da, im Spiegel sah sie etwas, verschwommen zwar aber doch so deutlich, noch ein Blick – ihr Magen würgte einen Heringsbissen herauf und qualvoll stöhnte sie auf. „Siehst du ihn wohl schon?“ Ihre Schwester konnte die Frage nicht mehr zurückhalten. Die Kerze flackerte stark, der Kauzruf war deutlich zu hören, das Gebälk ächste unter der Schneelast und …….. der Spuk war vorbei. Ob Sofie Jahre später den Mann geheiratet hat, den sie im Spiegel in nächtlicher Stunde gesehen hat, ja wer weiß?

Jedenfalls hat sie etwas gesehen und wer es nicht glaubt, sollte einfach das Ritual mit dem Salzhering selbst probieren, dann weiß er es.      dipf

Kirschblüten und Silbermünzen

An einem Ort am Döbraberg lebte die Witwe eines armen Handwebers mit ihren vier unmündigen Kindern. Im Sommer mußte der älteste Knabe als Hütbub zu den Bauern. Seine Geschwister spulten Tag für Tag den Webern des Dorfes, um ihrer Mutter, die sich ihr karges Brot auch mit Weben verdiente, das Leben zu erleichtern.

An einem Weihnachtsheiligabend sagte die Mutter zu ihrem Ältesten:“ Hol noch etwas Reisig, daß wir zum Fest mit der Feuerung nicht sparen müssen!“ Als der Sohn seinen Ziehschlitten mit dürren Ästen hoch beladen hatte, kehrte er in der Dämmerung heim.

Wie er aber zum alten Vogelkirschenbaum am Waldrand kám, stand der in voller Blüte. Um nun der Mutter und den Geschwistern eine besondere Freude zu machen, schnitt er sich einen großen Strauß weißblühender Zweige ab.  Zu Hause steckte er sie in einem Topf und stellt ihn unter das Christbäumchen.

Am ersten Feiertag früh fanden sie zu ihrem Schrecken die Kirschzweige wie einen Reisigbesen aus dem Gefäß starren. Die Blütenblätter waren abgefallen. Statt ihrer lagen auf dem weißen Tischtuch um den Topf lauter harte Taler. Nachdem sich die Witwe von ihrem Erstaunen gefasst hatte, umschlang sie ihre Kinder voller Freude. Gemeinsam dankten sie Gott für die reiche Gabe, die ihnen aus der Not half. Kaum hatten die Nachbarn von diesem Glück erfahren, rannten sie alle zum Vogelkirschenbaum. Der aber stand kahl am Waldrand.      dipf